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BRAUCHT DIE FOTOGRAFIE DER ZUKUNFT NOCH EINE KAMERA?

Ein Beitrag von BERND OPITZ  Werbefotograf und Filmgestalter aus Hamburg

Foto: Bernd Opitz

Der Stockbildanbieter Shutterstock hat erst im Februar 2021 den Zukauf von TurboSquid bekannt gegeben, einem Unternehmen, das sich als Anbieter von 3D-Bibliotheken einen Namen gemacht hat. Shutterstock will sich damit als weltweit größter Marktplatz für 3D-Inhalte positionieren und sich somit für die Zukunft der Fotografie ohne Kamera rüsten.

Wir stehen gerade an einer ähnlichen Schwelle, an der wir mit dem Umstieg von der analogen zur digitalen Fotografie 2003/2004 gestanden haben. Damals hatte ich mir eine Hasselblad mit einem Imacon-Rückteil gekauft und vielen Kunden angeboten, zukünftig digital zu fotografieren. Im ersten Jahr gab es noch große Zurückhaltung, viele hatten schlechte Erfahrungen mit den Ergebnissen der ersten Generation der Digitalkameras gemacht. Doch dann änderte sich im Jahr 2004 die Meinung und ich habe seitdem nie wieder für einen Job einen Film in eine Kamera eingelegt.

CGI-Umgebungen, realitätsnahe Renderings von Autos und Landschaften, was in der Autofotografie mit entsprechend hohen Budgets schon in den letzten Jahren umgesetzt wurde, bricht sich nun auf breiter Front in der Fashion-, Interieur- und Lifestyle- überhaupt in der ganzen Werbefotografie bahn. 3D-Bibliotheken sind umfangreich angewachsen, Textures sind von der Natur kaum mehr zu unterscheiden, Rechenleistungen bieten Renderings in Echtzeit, virtuelle Kameras begleiten uns durch CGI-Umgebungen. Dadurch können Bildwelten komplett am Rechner erstellt werden. Da kommt eine Fashion-Avatarin wie Lil Miquela mit mehr als 3 Millionen Followern als Model, mit einer 24/7 Verfügbarkeit, in manchen Fällen gerade gelegen.

Full CGI oder Hybrid-CGI, Hyperbowl oder Greenkey, Virtualproduction oder Reallifeshooting, Content für Social Media, Kampagne mit Verlängerung ins Internet, Katalog, e-Commerce, Landingpage oder Website, Foto, Video, gif-Animation — die Möglichkeiten und Bedürfnisse sind genauso vielfältig wie vielschichtig. Um Werbung an den Kunden zu bringen müssen sehr viele Kanäle parallel bespielt werden, doch die Budgets dafür werden nicht größer. 

Ich habe in den letzten Monaten viel Zeit damit verbracht, zusammen mit diversen Auftraggebern zu klären, welche Produktionswege die Besten für die Umsetzung ihrer Werbemaßnahmen sind. Als Fotograf bin ich heute zuerst Digitalberater, Planer und anschließend erst der Umsetzer. Je nachdem um welches Produkt es geht, müssen die unterschiedlichsten Plattformen abgedeckt und die jeweils besten Lösungen gefunden werden.

Ich bin ganz ehrlich, mir macht Technik viel Spaß. Ich beschäftige mich gern damit, will wissen, was wie funktioniert und wo die Möglichkeiten der technischen Fortschritte liegen. Und wenn ich es nicht selbst umsetzen kann, suche ich mir Partner, mach Projekte mit denen, erweitere mein Wissen. Weil ich damit nicht nur umfassend die Vorteile der Technik kenne – sondern auch ihre Schwächen. 

So bleib ich Gestalter. Und werde nicht zum Überrollten.  

Ja, die technischen Möglichkeiten, auch ohne Kamera zu interessanten Bildern zu kommen, sind groß. Und – da sollten wir ganz klar sein – sie werden auch schnell weiter wachsen. 

Und trotzdem behaupte ich, dass es ohne Kamera nicht geht.

Denn überall dort, wo Menschen agieren und Gefühle gezeigt werden, kann selbst die beste Technik nicht mithalten. Virtuelle Bilder können großartig sein – aber sie sind immer geplant. Nichts ist spontan. Und nichts entsteht spontan. Doch gerade das Ungeplante, Überraschende macht Bilder unverwechselbar und einzigartig. Die Energie zwischen Fotograf*in und ihrem Gegenüber macht das möglich. Und nur diese Energie erlaubt völlig irrationale Ergebnisse.

Ich werde also weiter mit Kameras unterwegs sein. Auf jeden Fall! Aber welche Kamera es im Einzelfall ist, und welche Technik ich damit verbinde, das bleibt offen. Und spannend!

Bernd Opitz ist Werbefotograf mit Sitz in Hamburg. Seit etwa 10 Jahren begleitet er auch filmisch viele seiner Werbeprojekte und erweiterte im Bereich CGI und den Verbindungsmöglichkeiten von Interieur-, People-, Lifestylefotografie mit digitalen Techniken seine Expertise.

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