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Im Gespräch mit Holger Altgeld

Alle Bilder © Holger Altgeld

Holger Altgeld ist ne waschechte kölsche Jung. Aber verliebt in Ibiza. Er liebt die Abwechslung des Jobs genauso wie gewisse Konstanten in seinem Leben.

Kannst Du uns zu Beginn ein wenig über Deinen Start in den Beruf erzählen? Was hat Dich bewogen Fotograf zu werden?

Quereinstieg. 18 Jahre lang hab ich in einem großen Chemiekonzern gearbeitet. Den Industriemeister Fachrichtung Chemie gemacht und als Projektleiter beim Neu- und Umbau von Chemieanlagen mein Wissen eingebracht. Das hilft mir natürlich heute sehr, denn ich verstehe auch die Kundenseite gut. Die Strukturen in großen Firmen sind mit Selbstständigen nicht zu vergleichen. Das Fotografieren entwickelte sich aus dem Wunsch bessere Urlaubsfotos zu machen. Begierig alles an Wissen aufgesogen das ich finden konnte. Sehr viel Geld für Equipment ausgegeben. Nebengewerbe eröffnet und stetig vorwärts bewegt. Das mündete dann in der Kündigung meines Jobs und Vollausübung der Fotografie. Ich schätze, das ist ein Weg den die letzten Jahre viele gegangen sind.

Was war Dein erster bezahlter Fotojob?

Vor vielen vielen Monden waren das Fotos für die Geschäftsausstattung eines Bekannten.

Deine Schwerpunkte liegen primär in den Bereichen Storytelling, People und Advertising. Weshalb eigentlich? Was reizt Dich speziell daran?

Das kommt von der Liebe zum Kinofilm. Wenn ich entweder fiktionale Geschichten mit meinen Bildern erzähle oder die Geschichte von Menschen abbilden kann, bin ich glücklich. Wenn sich das auch noch mit der Werbung für die Personen oder ein Produkt verbindet, dann bin ich super glücklich. Auf der einen Seite reizt mich die Begegnung mit Menschen und auf der anderen mag ich die Ruhe wenn ich Produkte fotografiere.

Wie würdest Du selbst Deinen fotografischen Stil beschreiben?

Da bin ich bi, je nach Situation und Auftrag. So echt und fiktional wie möglich. Es darf gern politisch werden, sozialkritisch und polarisierend sein. Humor schadet aber auch nicht.

Was inspiriert Dich?

Kino. Das Leben. Nachrichten, gut oder schlecht. Bücher. Den Gedanken freien Lauf lassen. Ideen Ping Pong mit Kreativen spielen. Mich langweilt das Ewiggleiche.

Die vergangenen Monate waren für viele Fotografen*innen schwierig. Wie hast Du die Situation erlebt und wie hat sich die Pandemie auf Dein berufliches Leben ausgewirkt?

Das Jahr war kein Grund für Jubelsprünge, aber auch kein Beinbruch. In Köln sagt man: Et hät noch immer joot jejange. Grundsätzlich ist die Welt stetig im Wandel und man muss sich weiterentwickeln. 

Einige Fotografen*innen klagten bereits weit vor Corona, dass der Markt für Fotografie auf dem absteigenden Ast sei und es immer weniger gute Aufträge gäbe, die angemessen bezahlt würden. Wie siehst Du das?

Mit meiner Arbeit bringe ich dem Kunden einen Mehrwert und der muss angemessen bezahlt werden. Wer bei Dumping mitmacht, egal auf welcher Seite, wird früher oder später Probleme bekommen. Das ganze Rumgejammer bringt uns doch nicht weiter. Wir Fotografen*innen sind mitverantwortlich für die Richtung, die der Markt einschlägt. Es immer auf die anderen zu schieben bringt uns keine besser bezahlten Jobs. Vor allem die jungen Fotografen*innen sollten sich mit den Themen Wirtschaftlichkeit und Nutzungsrechte auseinandersetzen. Das vermisse ich leider oft.

Wenn Zeit, Geld und alle anderen Faktoren überhaupt keine Rolle spielen würden: Was wäre Dein persönliches Traum-Fotoprojekt?

Es gibt da ein wundervolles Buch von Dennis Gastmann. Atlas der unentdeckten Länder. Leider sind die Länder nicht mehr unentdeckt, aber mich hat das Buch und seine Geschichte stark beeindruckt und ich würde diese Reise gerne nacherleben und fotografisch festhalten. Die Abenteuer, die Menschen, ihre Geschichten und die Landschaften.

Was zeichnet für Dich eigentlich ein wirklich herausragendes Foto aus?

Das weiß ich leider nicht in Worte zu fassen. Das fühlt man einfach.

Gibt es einige Kollegen*innen aus Deutschland, deren Arbeiten Du ganz besonders schätzt?

Auf besondere Arbeiten möchte ich hier gar nicht eingehen, denn es gibt so unglaublich viele gute Fotografen. Allerdings hat mir ein Kollege immer mit Rat und Tat zur Seite gestanden, mir viele Tipps gegeben und mir vor dem Schritt in die Vollselbstständigkeit die letzte Naivität ausgetrieben. Jan Kocovski gilt mein größter Dank.

Wie bereitest Du Dich auf ein bevorstehendes Projekt vor?

Pedantisch. Ich sammle alle nötigen Informationen und plane alles was planbar ist. Das gibt allen Beteiligten ein gutes Gefühl und sorgt dafür, dass es keine bis nur wenige Überraschungen gibt. Trotzdem ist mir wichtig immer offen und spontan zu bleiben, um aufkommende Ideen zu integrieren.

Welches war Dein erste Kamera und womit fotografierst Du heute?

Canon EOS 350D. Die hat mir aber nur ein paar Wochen gereicht und ab dann wurde es ganz schnell, ganz teuer. Heute benutz ich eine Canon 5DSR für die meisten geplanten Arbeiten. Für Storys und Reportagen ziehe ich gerne mit meiner kleinen Olympus EM5 los, denn damit lässt sich auch gut für Social Media filmen. Ansonsten leihe ich das Equipment was nötig ist, um den Job zielgerecht auszuführen. Seit zwei Jahren nutze ich für persönliche Arbeiten auch gerne analoge Kameras.

Welchen Stellenwert hat die digitale Nachbearbeitung für Dich?

Der Look ist schon wichtig und kommt halt nicht aus der Kamera. Allerdings sitz ich selber nicht so gerne ewig lange am Rechner und retuschiere. Deswegen arbeite ich bei allem was mit Werbung zu tun hat  mit einem sehr guten Retuscheur zusammen. Die Storys bearbeite ich aber selber, weil ich glaube, dass sich kein Fremder in das Gefühl das ich beim Fotografieren hatte, einfühlen kann.

Viele Fotografen*innen beschäftigen sich inzwischen auch mit dem Thema „Bewegtbild“. Inwieweit ist dies auch für Dich interessant?

Das ist ja auch ein sehr interessantes Thema. Regie mach ich sehr gerne. Kamera für kleine Projekte auch gerne. Für größere buche ich einen DoP. Nachbearbeitung lieb ich gar nicht, das können Andere besser.

Wie wichtig sind Dir freie Arbeiten und gibt es aktuell Projekte, von denen Du uns berichten kannst?

Die sind essentiell. Ohne geht es nicht. Es gibt derzeit sogar mehrere Projekte in der Pipeline. Die ziehen sich aber aufgrund von Corona wie Kaugummi und deshalb will ich da jetzt nichts verraten.

Was ist ausschlaggebend, um in unserer Branche erfolgreich zu sein?

Ausdauer. Ausdauer. Ausdauer. Dann noch unbedingter Wille und Kontakte schaden nicht. Und zu guter Letzt braucht es auch etwas Glück.

Auf welche Deiner Arbeiten bist Du persönlich besonders stolz? Oder vielleicht etwas einfacher gefragt: Welche Deiner Arbeiten schaust Du Dir selbst immer wieder gerne an?

Ich mag meine politischen und gesellschaftskritischen Arbeiten sehr gerne. Wenn es eine starke Aussagekraft hat, gucke ich es mir immer wieder an, drucke es, häng es an die Wand.

Wo würdest Du morgen früh am liebsten aufwachen und weshalb?

Aufwachen tu ich am liebsten neben meinem Mädchen. Ziemlich egal wo das ist. Ok, auf Ibiza ist es dann noch schöner.

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