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Im Gespräch mit Lisa Linke

Alle Bilder © Lisa Linke

Lisa Linke, Fotografin, spezialisiert auf Automobil und Motorsport. Die Liebe zur Fotografie, zum Reisen und zur Architektur hat sie an die verschiedensten Orte der Welt gebracht. In Los Angeles hat sie ein zweites zu Hause gefunden.

Kannst Du uns zu Beginn ein wenig über Deinen Start in den Beruf erzählen? Was hat Dich bewogen Fotografin zu werden? Hast Du eine klassische Fotografen*innen-Ausbildung und/oder Assistenzen gemacht?

Wenn ich so zurück denke, wollte ich schon immer etwas mit Fotografie machen. Ich hatte schon früh eine Kamera in der Hand, habe dann aber erst nach dem Architekturstudium gemerkt, dass es das war, was ich wirklich beruflich machen wollte. Eine klassische Fotografinnen-Ausbildung habe ich nicht, aber mein Abschluss in Architektur hat mir in vieler Hinsicht geholfen. Auch wenn es eine etwas andere Kreativität ist, man lernt diverse Prozesse kennen, die man auch als Fotografin wiederaufnimmt, wie beispielsweise die Ideenfindung, Planung und Umsetzung von Konzepten. Das hat mir enorm dabei geholfen, mir etwas als Fotografin aufzubauen. 

Kannst Du Dich noch an Deinen ersten bezahlten Fotojob erinnern?

Ich habe während dem Studium angefangen Motorsport zu fotografieren und habe damals für verschiedene Automobilhersteller gearbeitet. Dies waren meine ersten Fotojobs, und irgendwann waren es dann Aufträge abseits der Rennstrecke. Mein erster wirklicher Autojob war eine Kampagne für Lexus in den USA, die im Studio fotografiert wurde.

Deine Schwerpunkte liegen heute primär in den Bereichen Cars und Lifestyle. Weshalb? Was reizt Dich speziell daran? 

Für mich waren allein statische Fotos schon immer eher langweilig. Ich mochte die Herausforderung Geschwindigkeit einzufangen und eben das hat mich an der Autofotografie gereizt. Ich fand es spannend, dass man im Prinzip nur einen Bruchteil einer Sekunde hat, um den Schuss zu bekommen. Natürlich fotografiere ich momentan eher weniger Action, aber ich muss sagen, dass sich diese Spontanität eigentlich in jedem Shooting wiederfindet. Außerdem ist und kann die Autofotografie sehr technisch sein, das hat mich auch sehr gereizt. Man muss wissen, wie man ein Fahrzeug richtig beleuchtet und wie man am Ende alles in der Post Produktion zusammenfügt. Lifestyle mit einzubinden ist dann irgendwie auch selbstverständlich. Man erzählt sozusagen eine Geschichte mit den Fotos und gibt dem Produkt eine gewisse Lebendigkeit.

Wie würdest Du selbst Deinen fotografischen Stil beschreiben?

Natürlich und spontan.

Was inspiriert Dich?

Für mich war es immer das Reisen, das mich für meine Arbeit inspiriert hat und natürlich neue Leute kennenzulernen. Wegen Corona war es allerdings im vergangenen Jahr etwas schwieriger, aber ich habe versucht auf anderen Wegen Motivation zu finden. Ich habe neue Bereiche der Fotografie für mich entdeckt und die Zeit genutzt, mein Portfolio zu erweitern. Dadurch habe ich dann auch Ende des Jahres Aufträge bekommen, die nichts mit Autos zu tun hatten.

Die vergangenen Monate waren für viele Fotografen*innen schwierig. Wie hast Du die Situation erlebt und wie hat sich die Pandemie auf Dein berufliches Leben ausgewirkt?

Da ich letztes Jahr hauptsächlich in den USA gearbeitet habe, war meine Erfahrung sicherlich eine ganz andere. Mein Team und ich haben im vergangenen Jahr einige Jobs gemacht, auch große Produktionen und in verschiedenen Staaten der USA. Diese Aufträge waren mit Corona natürlich nicht immer einfach umzusetzen, aber wir haben mittlerweile ein gutes System entwickelt und diese Umstellung und Anpassung an die Situation ist für mich nun schon zur Normalität geworden. Ich bin froh, dass ich arbeiten konnte und auch den Kunden das Gefühl geben kann, dass wir trotz Einschränkungen Projekte genauso gut umsetzen zu können wie vor der Pandemie.

Einige Fotografen*innen klagten bereits weit vor Corona, dass der Markt für Fotografie auf dem absteigenden Ast sei und es immer weniger gute Aufträge gäbe, die angemessen bezahlt würden. Wie sind dazu Deine Eindrücke/Erfahrungen?

Ich habe gemerkt, dass Fotoshootings anders geplant und umgesetzt werden. Ich würde jetzt nicht sagen, dass die Aufträge generell weniger gut sind, aber wegen Corona mussten wir uns alle schon sehr umstellen. Sei es die Anzahl der Personen am Set oder die neuen Hygienevorschriften, man musste sich auf eine ungewöhnliche Situation einstellen. Dennoch erwarten die Kunden, dass man mit weniger Ressourcen das gleiche Ergebnis liefert. Hier geht es vor allem um weniger Leute am Set, was bedeutet, dass man sich überlegen muss, wie man genauso effizient und schnell arbeiten kann, wie es vor Corona der Fall war. Viele Agenturen schreiben auch vor, dass die Kreation sowie auch die Kunden nicht vor Ort sein dürfen. Dies kann die Abstimmung der verschiedenen Schüsse etwas verlangsamen, aber mit Videokonferenzen und Screen-Sharing läuft dies mittlerweile reibungslos ab.

Wenn Zeit, Geld und alle anderen Faktoren einmal überhaupt keine Rolle spielen würden: Was wäre dann Dein persönliches Traum-Fotoprojekt?

Das wäre definitiv eine große Kampagne für einen Automobilhersteller, die sich in verschiedenen Ländern abspielt. Ich mag tolle Landschaften im Hintergrund, aber auch interessante Architektur und für mich wäre es eine Kombination aus beidem, in Verbindung mit Lifestyle. Und das natürlich an Orten, die ich noch nicht besucht habe. Wenn dann noch das Konzept spannend und außergewöhnlich ist, die Kreation tolle Ideen hat und wir diese als Team umsetzen, dann wäre das für mich das Traum-Fotoprojekt.

Was zeichnet für Dich eigentlich ein wirklich herausragendes Foto aus?

Natürlich kann man sich nicht immer wieder neu erfinden, aber für mich kommt es nicht nur auf ein gutes Foto an, sondern auch auf das Konzept das dahinter steckt. Vor allem bei freien Arbeiten finde ich es wichtig kreativ zu sein und ein gutes Foto zeichnet sich eben durch diese Kreativität sowie auch eine gewisse Emotionalität aus.

Wie bereitest Du Dich auf einen bevorstehenden Job und/oder ein freies Projekt vor?

Da ich ja hauptsächlich Cars und Lifestyle fotografiere, ist es mir wichtig, dass ich Ahnung vom Fahrzeug und vom Shooting Konzept habe. Das hilft mir natürlich besonders, da man auch die Kundenseite und die Idee des Shootings besser versteht und der Kunde merkt, dass man das Produkt kennt. Ich finde es auch immer sehr spannend zu hören, was sich die Agentur bei dem Konzept gedacht hat und informiere mich vor jedem Shooting genau, damit ich den kreativen Prozess verstehe. Das bezieht sich auch auf Locations, Timing und generell den Look der Fotos. Man erarbeitet dann gemeinsam mit der Kreation den Ablauf und hat somit einen Überblick und ist vorbereitet. Natürlich kann nicht alles immer genau geplant werden, also gehört auch eine gewisse Spontanität am Set dazu.

Welches war Deine erste Kamera und womit fotografierst Du heute?

Ich hatte irgendwie schon immer eine Kamera in der Hand, ich würde aber sagen, dass meine erste richtige Kamera einen Canon war, mit der ich angefangen habe, Motorsport zu fotografieren. Heute fotografiere ich die meisten Jobs mit der Fuji GFX100, und für alle schnellen, motorsportlichen Sachen benutze ich meine Sony Mirrorless Kamera.

Welchen Stellenwert hat die digitale Nachbearbeitung für Dich?

Die Nachbearbeitung ist natürlich ein wichtiger Faktor, allerdings versuche ich immer, meine Arbeit so natürlich wie möglich zu halten. Ich finde mit zu viel Retusche verliert das Foto seinen Charakter.

Viele Fotografen*innen beschäftigen sich inzwischen auch mit dem Thema „Bewegtbild“. Inwieweit ist dies auch für Dich interessant?

Bewegtbild finde ich super spannend, denn es wertet das Projekt nochmal auf und rundet alles ab. Ich habe in letzter Zeit bei meinen freien Projekten immer versucht auch Bewegtbild mit einzubringen, was natürlich auch im Bereich Social Media viel bringt. Auch von Kundenseite wird das immer wieder verlangt und ich persönlich freue mich immer auf solche Aufträge.

Wie wichtig sind Dir freie Arbeiten und gibt es aktuell Projekte, von denen Du uns berichten kannst?

Freie Arbeiten sind mir sehr wichtig, denn sie geben mir die Möglichkeit, kreativ zu sein. Bei Fotoaufträgen hat man ja nur sehr selten freie Hand und kann seine eigenen Ideen umsetzen, und deshalb plane ich sehr viele freie Projekte, mit denen ich zeigen kann, dass ich selbst Konzepte entwickeln und umsetzen kann. Das macht mir auch immer super viel Spaß.

Momentan arbeite ich an einem Konzept mit der Marke BMW, das ich selbst erarbeitet, und das ein wenig anders sein wird, als das, was ich zuvor gemacht habe. Dieses Projekt beinhaltet verschiedenste kreative Bereiche und es geht nicht nur um reine Fotografie, und das in Zusammenarbeit mit verschiedenen Kreativen.

Was ist Deiner Meinung nach ausschlaggebend, um in der Fotografiebranche erfolgreich zu sein?

Ich glaube man muss eine gewisse Leidenschaft für den Beruf haben. Es muss einem klar sein, dass es nicht nur um das Fotografieren geht, sonder auch um Marketing, Kommunikation und viel Vorarbeit vor jedem Shooting. Mir hat eben diese Planung immer Spaß gemacht und ich habe deshalb selten die Motivation verloren. Ich mag es auch, mich mit Kunden auszutauschen und sehe jedes Projekt als Teamarbeit an.

Auf welche Deiner Arbeiten bist Du persönlich besonders stolz? Oder vielleicht etwas einfacher gefragt: Welche Deiner Arbeiten schaust Du Dir selbst immer wieder gerne an?

Ich schaue mir oftmals Arbeiten an, von denen ich denke, dass ich sie heute besser machen würde. 🙂

Aber es gibt einige Projekte, die auf die ich stolz bin, vor allem jene, die ich ich am Anfang meiner Karriere fotografiert habe und die mich weitergebracht haben.

Du hast bereits einiges von der Welt gesehen und in vielen unterschiedlichen Ländern gearbeitet. Wo würdest Du morgen früh am liebsten aufwachen und weshalb?

Ich wache am liebsten immer noch in der Pfalz auf. Familie ist mir sehr wichtig und egal wie viele tolle Orte ich schon kennenlernen durfte, ich bin doch am liebsten zu Hause.

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