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Im Gespräch mit Thomas Strogalski

Alle Bilder © Thomas Strogalski

Thomas Strogalski, vertreten von Schierke Artists, startete 1993 als Still Lifer im eigenen Studio in Düsseldorf und wechselte dann zur Autofotografie mit internationalen Produktionen und Auftraggebern. Er mag gutes Brot und eher Sonnenuntergänge als Sonnenaufgänge.

Kannst Du uns zu Beginn ein wenig über Deinen Start in den Beruf erzählen? Was hat Dich bewogen Fotograf zu werden? Hast Du eine klassische Fotografen*innen-Ausbildung und/oder Assistenzen gemacht?

Nach meinem Zivildienst hab ich durch Zufall eine Annonce in der Zeitung gelesen: Werbefotograf sucht Praktikanten. Keine Vorkenntnisse erforderlich. Ich fühlte mich sofort angesprochen … 1 Jahr Praktikum, im Anschluss Wechsel und Festanstellung als Assi bei einem anderen Still Lifer, dann freie Assistenz bei People-, Mode- und Still Life-Fotografen in BRD und USA.

Kannst Du Dich noch an Deinen ersten bezahlten Fotojob erinnern? 

Ja, das war für Springer & Jacoby, HH. 2 Paar Schuhe für den Kunden Görtz, jeweils als Anzeige, ohne Briefing, ohne Layout in SW, TZ! Hab ich in meinem ersten improvisierten Studio im Trockenkeller meiner Oma fotografiert.

Deine Schwerpunkte liegen heute primär in den Bereichen Cars, CGI und People. Weshalb? Was reizt Dich speziell daran? 

Auto war damals schon immer die „Königsdisziplin“. Nach meinen ersten 10 selbstständigen Jahren Still Life im Studio, wollte ich nach draußen und alles ausprobieren. Da war das Auto ideal, … konnte viel um die Welt reisen. Seit ein paar Jahren erschöpft sich das pure Objekt. Emotionale Geschichten zu erzählen fasziniert mich mehr und mehr. Bilder in CG zu produzieren, ist 2008 eher aus der Situation geboren.

Wie würdest Du selbst Deinen fotografischen Stil beschreiben?

Spontan, ehrlich, reduziert, schnörkellos.

Was inspiriert Dich?

Licht, Farben, Natur, Kunst, gutes Design, gute Architektur, Musik, Menschen, gute Gespräche, manchmal schlaflose Nächte …

Was zeichnet für Dich eigentlich ein wirklich herausragendes Foto aus? 

Wenn es mich länger als 2 Sekunden in den Bann zieht.

Die vergangenen Monate waren für viele Fotografen*innen schwierig. Wie hast Du die Situation erlebt und wie hat sich die Pandemie auf Dein berufliches Leben ausgewirkt?

Der Lockdown im März 2020 hat mich von Tempo 200 auf Null ausgebremst. Hatte Anfang des Jahres noch einen intensiven, kurzen Job in LA mit einem freien Projekt im Anschluss, dann nach Hause und 2 Wochen später nochmals für einen Autokunden nach Mexiko. Weil schon 2019 für mich sehr reiseintensiv war, war ich anfangs total irritiert, konnte dann aber die ersten 4 Monate nach dem Lockdown tatsächlich genießen und hab bei überdurchschnittlich gutem Wetter viel im Garten gesessen. Die zweite Jahreshälfte fand ich eher beunruhigend. Keine Jobanfragen, keine Planungen, sehr wenig Motivation, wenig Perspektive. Jetzt erscheint so langsam Licht am Ende des Tunnels.

Einige Fotografen*innen klagten bereits weit vor Corona, dass der Markt für Fotografie auf dem absteigenden Ast sei und es immer weniger gute Aufträge gäbe, die angemessen bezahlt würden. Wie sind dazu Deine Eindrücke/Erfahrungen?

Wer Planbarkeit und Verlässlichkeit sucht, tut sich in unserer Branche keinen Gefallen. Das Business war auch in der Vergangenheit nicht einfach, weil die Konkurrenz hungrig und die wirklich guten Jobs immer hart umkämpft waren. Monetär konnte man allerdings nicht klagen und die meisten Kreativen wussten was sie tun. Seit Jahren dreht sich die Inflationsspirale nicht nur in der Fotografie immer schneller. Alle digitalen Kunstformen werden abgewertet. Auf der anderen Seite befreite sich das Medium kolossal. Wir machen heute ästhetisch und technisch anspruchsvolle Dinge in so kurzer Zeit …

Wenn Zeit, Geld und alle anderen Faktoren einmal überhaupt keine Rolle spielen würden: Was wäre dann Dein persönliches Traum-Fotoprojekt? 

Mein allererster Job war schon mein Traumjob. Ich hatte genügend Zeit, konnte machen, wie ich es wollte und wurde gut bezahlt. 

Gibt es einige Kollegen*innen aus Deutschland, deren Arbeiten Du ganz besonders schätzt?

Ja ;)!

Wie bereitest Du Dich auf einen bevorstehenden Job und/oder ein freies Projekt vor?

Vorher etwas nachdenken hilft definitiv, zu viel nachdenken schadet mir aber, besser loslassen und machen!

Welches war Deine erste Kamera und womit fotografierst Du heute?

Meine erste Kamera war eine Sinar F1, die noch bei mir im Schrank liegt. Heute fotografiere ich mit iPhone, Nikon, Alpa und Phase One.

Welchen Stellenwert hat die digitale Nachbearbeitung für Dich?

Obwohl ich mehr und mehr alles „in Camera“ fotografiere, geht’s ohne Post in der professionellen, digitalen Fotografie überhaupt nicht. Dezidierte Farben und Looks sind mega entscheidend für den Erfolg der Kampagnen und Strecken.

Viele Fotografen*innen beschäftigen sich inzwischen auch mit dem Thema „Bewegtbild“. Inwieweit ist dies auch für Dich interessant?

Der Übergang zwischen Foto und Bewegtbild vermischt sich auch bei mir mehr und mehr. Im Prinzip wechsle ich nur die Kamera und nehme das auf, was ich am Set inszeniere oder gebe Anweisung an meinen DOP. Um daraus aber einen geplanten Spot, Clip, Film zu machen, braucht’s mehr. Verlässlichkeit, Konzepte, Stories und vor allem der Schnitt im Nachgang erfordern größere Teams / Budgets etc.

Wie wichtig sind Dir freie Arbeiten?

Freie Projekte find ich essentiell. Für mich gibt es 2 Arten von freien Arbeiten. Einmal geplante, freie Strecken, wo ich mit kleinem Team, Styles, Licht und Farben etc. ausprobiere. Dann zufällige Geschichten, denen ich begegne und daraus Serien mache. Aktuell arbeite ich aber an meiner neuen Website.

Was ist ausschlaggebend, um in der Branche erfolgreich zu sein?

Absolute Leidenschaft, Fleiß und Wille für die extra Meile.

Welche Deiner Arbeiten schaust Du Dir selbst immer wieder gerne an?

Ich mag den Zauber „des Finden und nicht Suchen“. Insofern sind es Bilder von Szenen und Alltäglichkeiten, denen ich zufällig begegne. Beispielsweise die Serie „Nature takes over“, die ich bei einem Job auf Hawaii entdeckte. Auf Maui stellte man alte, ungebrauchte Autos einfach irgendwo in der Landschaft ab und wartet, bis sie verrotten. In der Zwischenzeit breiten sich Flora und Fauna aus und übernehmen das Ganze. Außerdem Auftragsprojekte aus den letzten Jahren, ohne feste Layoutvorgaben, mit einem großem Maß an Vertrauen, von Seiten der Agentur und Kunde.

Wo würdest Du morgen früh am liebsten aufwachen und weshalb?

Vor der Pandemie am liebsten zu Hause. Jetzt mal wieder gern in Santa Monica … bestes Wetter überhaupt.

Gibt es abschließend noch eine spannende Anekdote aus einer Deiner Produktionen, die Du uns verraten kannst?

Wir hatten mal eine Produktion in den Drakenberg Mountains in Lesotho, haben auf einer Bergspitze fotografiert und nach dem Sunrise Kopfstand mit meinem Yoga besessenen CD gemacht. Als wir fertig waren, raschelte es neben uns auffällig im tiefen Gras und wir sahen ein Oberarm dickes, braungrünlich schlängelndes Etwas und wollten uns mit Stativ bewaffnet gegen den unbekannten Feind wehren. Als unser Producer uns am Fusse des Berges fuchteln sah, schrie er uns an und rief: Black Mamba! Black Mamba!!!

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