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Im Gespräch mit Ulrich Hartmann

Alle Bilder © Ulrich Hartmann

Ulrich Hartmann geht in der Fotografie oft unkonventionelle Wege. In seiner Bildsprache kombiniert er die klassische Fotografie mit modernen, popkulturellen Einflüssen – das schätzen auch seine Kunden aus der Mode und Werbung, für die er national und international fotografiert.

Du arbeitest seit 18 Jahren als freiberuflicher Fotograf, kannst Du Dich noch an Deinen ersten bezahlten Fotojob erinnern?

Ich habe die Fotografie erst spät, mit 21 Jahren, neben meinem Hauptberuf als Grafikdesigner für mich entdeckt. Mit 23 hatte ich eine eigene kleine Fotoausstellung im Stadtmuseum meiner Heimatstadt Hildburghausen. Diese kam so gut an, dass mich das Museum bat, einen zeitlosen Kalender zum 150-jährigen Jubiläum des Hauses im Jahr 2004 zu gestalten. Ich war sofort mit Begeisterung dabei, castete in meinem Freundes- und im Bekanntenkreis alle Modelle zusammen und inszenierte sie als Geister in den Räumen des Museums und mit Accessoires des jeweiligen Jahrhunderts. Durch zwei befreundete Maskenbildnerinnen und teilweise mit originalen Kleidern (für ein Biedermeierkleid mussten wir ein 10-jähriges Mädchen casten, da sonst niemand hineingepasst hätte) war es mir möglich, meiner Phantasie wie kaum zuvor freien Lauf zu lassen. Und das beste war, dass ich dafür noch Geld bekam. Dieser Auftrag hat mich auch bestärkt als freier Fotograf zu arbeiten. Noch heute hängt dieser zeitlose Kalender in vielen Haushalten meiner Heimat.

Deine Schwerpunkte liegen primär in den Bereichen Fashion, Beauty und Portrait. War das schon immer so und was reizt Dich speziell daran?

Mich hat schon immer die Arbeit und Auseinandersetzung mit anderen Menschen interessiert. Ich liebe es, Stimmungen und Emotionen einzufangen und dabei auch selber überrascht zu werden. Wenn verschiedene Ideen und Energien zusammenkommen und man gemeinsam etwas kreiert, das hat schon etwas Magisches. Diese Interaktion würde mir beim Stilllife fehlen.

Wie würdest Du selbst Deinen fotografischen Stil in nur wenigen Worten beschreiben?

Detailliert, inszeniert, mal minimalistischer, mal opulenter.

Was inspiriert Dich?

Menschen und ihre unterschiedlichen Persönlichkeiten.

Was zeichnet für Dich ein wirklich herausragendes Foto aus?

Ein gutes Foto schaust du länger als 10 Sekunden an – ein herausragendes Foto vergisst du nie mehr.

Welchen Stellenwert hat bei Dir die digitale Nachbearbeitung?

Ich finde eine gute Retusche nach wie vor wichtig, sie gehört für mich zur Bildkreation dazu. In meinen Arbeiten möchte ich ja nicht die Realität zeigen, sondern eine Inszenierung, einen Moment erschaffen – und da kann die Nachbereitung sehr hilfreich sein.

Welches war denn eigentlich Deine allererste Kamera und womit fotografierst Du heute?

Ich wollte eigentlich nie Fotograf werden, bis ich mit 21 durch Zufall mit einer alten Exakta von meinem Vater einen 36mm Film bei uns im Garten ausprobiert habe. Letztendlich ist nur ein Bild davon etwas geworden, aber ich war von dem Prozess so fasziniert, dass ich dran geblieben bin. Analog shoote ich ab und an noch mit meiner alten Pentax 67 II, ansonsten fotografiere ich die meisten Jobs mit der Canon EOS 5R oder auch mit der Fujifilm GFX 100s.

Einige Fotograf:innen klagen, dass der Markt für Fotografie weiter auf dem absteigenden Ast sei und es immer weniger gute Aufträge gäbe, die auch angemessen bezahlt würden. Was sind Deine Erfahrungen und Gedanken dazu?

Ich merke auch, dass es immer schwerer wird sich am Markt zu behaupten, dieser verändert sich stets weiter und verlangt Flexibilität. Wenn du aber mit 110% hinter deiner Arbeit stehst, wirst du auch gebucht werden. Man sollte als freier Fotograf bzw. Fotografin seinen Wert kennen und sich dafür einsetzen. Gute Kund:innen werden das auch honorieren.

Der Markt fordert inzwischen immer mehr auch „Bewegtbild“ und einige Fotograf:innen beschäftigen sich auch intensiv mit dem Thema. Inwieweit ist das auch für Dich interessant bzw. relevant?

Ich kann absolut nachvollziehen, dass gerade heute durch die digitalen Medien das Bewegtbild genauso wichtig ist wie Fotografie für Print. Für mich sind es aber immer noch zwei unterschiedliche Bereiche. Ich habe selbst mit Video gearbeitet und biete Bewegtbild mit meinem Team an, sehe aber meine Stärke und Leidenschaft in der Fotografie. Eine Emotion oder den richtigen Moment in nur einem Frame einzufangen, finde ich nach wie vor am spannendsten.

Was ist Deiner Meinung nach ausschlaggebend, um in der Fotografiebranche erfolgreich zu sein?

Generell ist eine gute Mischung wichtig: Enthusiasmus, Neugierde, Fleiß, Menschenkenntnis, Beobachtungsgabe, Ästhetik, Entscheidungsstärke. Wichtig ist die Begeisterung für das Medium nicht zu verlieren, den eigenen Stil finden und ihm treu bleiben ohne sich vor neuen Einflüssen zu verschließen. Wenn du etwas wirklich willst, wirst du früher oder später Erfolg haben. Never stop creating!

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